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Stolperstein für Heinz Leible

Elise Willstätter wurde am 19. März 1856 als Elise Maier (Mayer) in Müllheim (Baden) geboren. Ihre Eltern waren der Müllheimer Handelsmann Wolf Lazarus Maier (Mayer) sowie dessen Ehefrau Barbara geborene Zivi. Sie blieb offenbar ohne eine berufliche Ausbildung.

Am 3. März 1879 heiratete Elise Willstätter in Breisach den Lörracher Handelsmann und Pferdehändler Jakob Willstätter. Dieser wurde am 15. November 1850 in Lörrach als Sohn des Abraham Willstätter und der Regina Schoppig geboren.

Das Ehepaar Willstätter war zunächst in der damaligen Teichstraße 50 in Lörrach wohnhaft. Zwischen 1880 und 1892 wurden sieben Kinder geboren, unter anderem die am 28. März 1881 geborene Bertha Willstätter, der am 26. Oktober 1885 geborene Gustav Willstätter sowie der am 27. Februar 1892 geborene Max Willstätter. Die Familie hatte in den folgenden Jahrzehnten mehrere Wohnadresse in Lörrach, zunächst in der Tumringerstraße 37, nachfolgend in der Spitalstraße 68, dann in der Kreuzstraße 10 und zuletzt in der Riehenstraße 1. Nach dem Tod ihres Ehemannes am 10. September 1934, lebte Elise Willstätter zusammen mit ihrer Tochter Bertha, die allerdings im Jahr 1937 verstarb, und ihrem Sohn Gustav in der Riehenstraße 1 (Ecke Gustloffstraße 2, heute Carl-Maria-von-Weber-Straße 2).

Am 22. Oktober 1940 wurde Elise Willstätter zusammen mit ihrem Sohn Gustav aus Lörrach ins noch unbesetzte Frankreich deportiert und im Camp de Gurs interniert. Ihr Sohn Max Willstätter, der gegen Ende der 1930er Jahre über Österreich und die Tschechoslowakei nach Argentinien emigriert war, bemühte sich umgehend darum, seine Mutter sowie seinen Bruder zu sich nach Argentinien zu holen. Doch die argentinischen Behörden wollten den Verfolgten die beantragten Visa für die Einreise nicht ausstellen. Auch mehrere direkte Kontaktaufnahmen von Max Willstätter mit dem argentinischen Botschafter in Frankreich blieben ohne Erfolg.

Aus mehreren überlieferten Briefen ist bekannt, dass Max Willstätter gleichzeitig versuchte, die fürchterlichen Lebensumstände seiner Mutter und seines Bruders im Lager Gurs durch zugesendete Lebensmittelpakete sowie Geldzahlungen etwas zu verbessern. Doch wie bei vielen anderen Internierten auch, setzten Krankheiten und Hunger der greisen Elise Willstätter schwer zu. Am 16. Oktober 1941 starb sie im Alter von 85 Jahren an der Ruhr. In einem Brief von Gustav Willstätter an seinen Bruder Max vom 16.10.1941, schrieb dieser zu ihrem Tod: „[..], sie wurde von der üblichen Langerkrankheit erfasst (Durchfall). … ich gönne ihr die Ruhe u. bin zufrieden, dass ich mir in keiner Beziehung Vorwürfe machen kann … auch Du l. Max hast deine Pflicht getan.“ (S. 220).

Autor: Kai Bühler, Stadtarchiv Lörrach

Quellenhinweise

Zitat aus:
Groszman, Gabriel: Semi Uffenheimer. Jüdische Familiengeschichten aus Breisach, Lörrach, Bühl, Graben in Baden und in Argentinien 1902-1981-2013, Konstanz 2013, S. 213-231.

Weitere Quellen aus dem Stadtarchiv Lörrach und nach Angaben von Gabriel Groszmann sowie Dr. Markus Hofmann.

Die Familie Willstätter im Jahr 1894: Jakob und Elise Willstätter mit ihren fünf Kindern.
Mutter Elise in der Mitte, Jakob Willstätter steht in der hinteren Reihe. Sohn Gustav sitzt links neben seiner Mutter, Sohn Max steht rechts von seiner Mutter

Fotohinweis: ©privat

Familie Willstätter
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