Durch den Klimawandel und die damit verbundenen Temperatur- und Wetterextreme nehmen die Schäden im Baumbestand der Stadt Lörrach in den letzten Jahren stark zu. Gerade der Baumbestand in der Stadt, in oft viel zu kleinen Baumquartieren und die zusätzliche Aufheizung im besiedelten Bereich fördern den Hitze- und Trockenstress der Bäume. Das trifft vor allem die heimischen Bäume, die an diese nahezu mediterranen Standortfaktoren nicht angepasst sind. Aktuell gibt es so beispielsweise hohe Ausfälle aufgrund der extremen Trockenheit bei den Beständen der städtischen Birke und Hainbuche.
Viele neue Krankheiten und Schadorganismen kommen durch den globalen Handel als „blinde Passagiere“ mit Gütern aus der ganzen Welt zu uns.  Eingeschleppte Pilze, die das Ulmensterben oder das Eschentriebsterben auslösen oder der Buchsbaumzünsler und asiatischer Laubholzbock sind einige Beispiele der jüngeren Zeit.
Reine Monokulturen in städtischen Alleen erweisen sich als zunehmend problematisch und fördern die Ausbreitung von Krankheiten, wie beispielsweise die Massaria, eine Pilzerkrankung an Platanen.
 
 

Liste der „Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz e.V.“

Die veränderten Umweltbedingungen führen dazu, dass die Resistenz der heimischen Baumarten schwindet und die Auswahl der Pflanzen bei Neupflanzungen den sich verändernden klimatischen Bedingungen zukünftig angepasst werden muss. Die „Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz e.V.“ kurz „GALK“ hat sich schon frühzeitig mit den Herausforderungen des Klimawandels wie auch der Klimaanpassung auseinandergesetzt. Seit 1994 werden zu Forschungszwecken Bäume derselben Baumart, Größe und Qualität an klimatisch unterschiedlichsten Standorten in Deutschland gepflanzt und wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse dieser Studie finden sich in der so genannten „GALK-Liste“ wieder. Diese Liste, welche ständig erweitert wird, stellt die Grundlage für die städtische Baumartenauswahl dar. Neben der zu erwartenden Höhe und Breite des Baumes, werden die Lichtbedürftigkeit und die Wuchsform samt Bodenansprüchen in den Forschungsergebnissen der Straßenbaumtests dokumentiert. Aktuell sind 176 Baumarten und Sorten getestet, wovon bislang 47 als geeignet und gut geeignet eingestuft wurden.
 


Maßnahmen der Stadt Lörrach

Diese Erkenntnisse werden in Lörrach bei Neupflanzungen berücksichtigt und so wurden beispielsweise der Südliche Zürgelbaum, die Purpur Erle, der Ginkgobaum, der Amberbaum, die Zerreiche und die Felsenbirne gepflanzt. Wichtig sind der Erhalt von gesunden Bäumen und auch das Anpflanzen von neuen Bäumen, um auch eine ausgewogene Altersstruktur im Bestand zu haben.
 
Die Trockenheit und die hohen Temperaturen sind nicht die einzigen Stressfaktoren unserer Stadtbäume.  Aufgrabungen und die Verdichtung des Bodens im Wurzelbereich, der Eintrag von Hundeurin und Streusalz in den Boden und Abgase des Straßenverkehrs sind weitere Stressfaktoren für Bäume.
 
Um günstige Voraussetzungen für die Baumgesundheit zu schaffen werden die Baumscheiben in Lörrach inzwischen entsprechend groß ausgestattet und mit speziellem Baumsubstrat verfüllt.
 
Bei zu kleinen Standorten wird versucht die Baumgrube in Richtung Fußweg oder Fahrbahnfläche mit überbaubarem Substrat zu erweitern.
 
Zudem regelt die Stadt Lörrach die Vorgaben für gesunde und nachhaltige Baumpflanzungen in den Bebauungsplänen. So müssen  Baumgruben ein Volumen von mindestens 12 Kubikmetern aufweisen,  1,5 Meter tief sein und mit Baumsubtrat verfüllt werden. Mindestens sechs Quadratmeter der Baumscheibe müssen offen gehalten werden. Die Bäume müssen folgende Mindestgröße aufweisen: Hochstämme dreimal verpflanzt mit Drahtballierung und  einem Stammumfang 18 bis 20 Zentimetern.  Innerhalb von Parkierungsflächen muss ein wirksamer Anfahrschutz für Bäume hergestellt werden.
 


Klimaresistente Bäume im städtischen Forst

Der Wald ist ein sehr langfristiges Ökosystem mit Umtriebszeiten von in der Regel 100-250 Jahren, das bedeutet Bäume sind erst in diesem Alter hiebsreif. Die Suche nach klimaresistenten Baumarten gestaltet sich in diesem Ökosystem als sehr schwierig. Was heute gepflanzt wird, muss sich erst einmal über Jahrzehnte bewähren, bevor belegbare Aussagen über die Klimaresistenz vorliegen.
Die Forstliche Versuchsanstalt in Freiburg führt solche Versuche durch und empfiehlt auch schon gewisse Baumarten. Ob und wie sich diese entwickeln, auch im Hinblick auf Holzverwendung, bleibt abzuwarten.
Die Eiche ist ein alter und auch möglicherweise zukunftsträchtiger Baum, da sie tief wurzelt und insofern besser an das Grundwasser kommt. Eine gut geeignete Baumart ist auch die Douglasie, die auf trockeneren Standorten gut wachsen kann. Auch die Buche sollte in Zukunft erhalten bleiben, da sie sich bei uns hier im Optimum befindet und sich deshalb anpassen kann.
In den kommenden Jahren wird der Lörracher Forst verschiedene Baumarten anpflanzen, um beobachten zu können, wie diese sich entwickeln. Unter diesen Bäumen finden sich beispielsweise verschiedene Eichenarten oder auch die Flatterulme.


Monika Neuhöfer-Avdić, Jens Langela und Britta Staub-Abt vor einem Zürgerlbaum