Der Mischwasserkanal in der Teichstraße gehört mit zu den ältesten Teilen der Lörracher Kanalisation. In der Denkschrift „Die Kanalisation der Stadt Lörrach zur Begründung des vorgeschlagenen Bauprojektes“ von 1896 ist der Kanal in der Teichstraße als Hauptsammler zur Entwässerung des damaligen Stadtgebietes zur Ableitung in die „Wiese“ aufgeführt. Der Bau des Sammlers wurde um das Jahr 1900 begonnen. Somit ist der hier zu erneuernde Mischwasserkanal bereits über 120 Jahre alt.
In den letzten Jahren wurden im Zuge der turnusmäßig stattfindenden Reinigungen und Zustandserfassungen fortschreitende bauliche Mängel festgestellt, die nun einen dringenden Handlungsbedarf darstellen.
Ursprüngliche Planung
Die ersten Überlegungen zur Erneuerung / Sanierung des Mischwasserkanals in der Teichstraße in den Jahren 2014/2016 sahen noch den zusätzlichen Bau eines separaten Regenwasserkanals vor: Es sollte ein modifiziertes Mischsystem erstellt werden. Diese Zielvorstellung erweist sich aber als nicht mehr zeitgemäß. Zwischenzeitig hat ein grundsätzlicher Wandel in der Konzeption von Abwassersystemen beziehungsweise Entwässerungssystemen stattgefunden. Regenwassermanagement, Grün-Blaue Infrastruktur und sich abzuzeichnende Verschärfungen in der Regenwasserbehandlung, aber auch der gezielte Umbau bestehender Grundstücksentwässerungssysteme lässt die Frage aufkommen, wieviel Abwasser künftig überhaupt noch über öffentliche Sammelsysteme abgeleitet werden soll.
In der Teichstraße setzen einige große Firmen bereits vorbildlich die neue Konzeption um. Es ist zu erwarten, dass auch angrenzende Wandelareale sich mittel- bis langfristig in ähnlicher Form verändern werden. Ein Regenwassersammler ohne nennenswerte Zuflüsse, dessen Abfluss auch noch kostspielig gereinigt werden müsste, wird deshalb nicht mehr als zielführend angesehen.
Neuer Planungsstand
Vor diesem Hintergrund hat der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung die grundsätzliche Konzeption der Kanalisation im genannten Abschnitt nochmals geprüft. Als nachhaltigste und wirtschaftlichste Lösung wird die Erneuerung der Mischwasserkanalisation in der Teichstraße angesehen. Eine Sanierung mittels grabenlosen Verfahren / Inliner ist hier aus bautechnischer Sicht nicht mehr zielführend: Der Altbestand der ursprünglichen Rohrsubstanz weist zu große Schäden durch Korrosion und Abtragungen auf.
In der Teichstraße betrifft das den Eiprofilkanal DN 800/1200 bzw. 600/900 auf einer Länge von rund 290 Metern. Die Vorteile eines Kanals im Ei-Profil sollen auch künftig genutzt werden um Ablagerungen bei Trockenwetter in den Flachstrecken zu minimieren. In den steileren Strecken vom Badweg bis Weinbrennerstraße kommen Kreisprofile DN 300 zum Einsatz.
Die bestehende Leitung im direkten Bereich unterhalb des Gewerbekanals / „Neuer Teich“ ist in erstaunlich gutem baulichen Zustand und kann für eine Sanierung genutzt werden. Hier ist eine grabenlose Inliner-Sanierung vorgesehen, was erhebliche Kosten einspart und bauliche Veränderungen an der denkmalgeschützten Gewölbebrücke ausschließt. In der Gugelmeierstraße kann eine schadhafte Haltung außer Betrieb genommen werden. Kleinere Umbauten an bestehenden Schächten und Anschlussleitungen sind erforderlich.
Aktueller Stand und weiteres Vorgehen
Seit Beginn der Bauarbeiten im Januar 2026 wurden vor allem Trinkwasser- und Gasversorgungsleitungen verlegt. Seit Mitte Juli ist der Kanalbau gestartet; Ende Juli sind bereits 20 Prozent des Kanalbaus erfüllt. Ende der Kanalbaumaßnahmen sind für das Frühjahr 2027 geplant.
Durch die Neuorganisation der Leitungen der unterschiedlichen Leistungsträger kann im Erdreich der Teichstraße außerdem neuer Raum für drei Baumgruben geschaffen werden, sodass die Teichstraße zusätzlich mehr Grün und Schatten bekommt.
Der Bereich nördlich der Teichstraße soll zudem in einem neuen Bebauungsplan „Nördlich Teichstraße“ planungsrechtlich überarbeitet werden.
Herausforderungen
Zur umfassenden Koordinierung der Kanalbaumaßnahme wurden sämtliche Versorgungsunternehmen über die bevorstehenden Arbeiten informiert und gebeten allfällige Arbeiten im Zuge der geplanten Kanalbaumaßnahme auszuführen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt steht fest, dass die Gas- und Wasserversorgung auf der gesamten Strecke erneuert werden muss. Zahlreiche Rohrbrüche an der ebenfalls sehr alten Trinkwasserleitung macht dies zwingend erforderlich. Mit den Verantwortlichen zum Ausbau des Wärmenetzes / Stadtenergie Lörrach (SEL) ist man ebenfalls in engem Kontakt um die erforderlichen Baumaßnahmen aufeinander abzustimmen. Insbesondere die geplanten Maßnahmen der SEL sind zwingend bei der Planung von verkehrlichen Umleitungsstrecken zu berücksichtigen
In den letzten Jahren gab es immer wieder verschiedene Ansätze die Teichstraße auch baulich umzugestalten. Als „Eingangstor zu Lörrach oder auch als „Brückenschlag“ der Innenstadt zum nahegelegenen Uferbereich der „Wiese“. Hierzu gibt es verschiedene konzeptionelle Überlegungen, jedoch noch keine planungsrechtliche Umsetzung. Da durch die aktuellen Leitungsbaumaßnahmen die Straße ohnehin nahezu erneuert wird, besteht die Möglichkeit mehr Grün im Straßenraum zu realisieren. Der Fachbereich Tiefbau prüft hierzu welche Möglichkeiten sich bieten und welche Finanzmittel hierfür erforderlich werden. Weitere Informationen hierzu wird der Fachbereich Tiefbau in Abstimmung mit der Stadtplanung zu gegebener Zeit in den politischen Gremien präsentieren
Grundsätzlich ist mit einer Vollsperrung in definierten Teilbereichen zu rechnen. Bestehende Zufahrten werden nach Möglichkeit durch die Bildung von Abschnitten berücksichtigt. Detailabklärungen folgen. Die Bauzeit für die Kanalbaumaßnahme wird mit ungefähr einem Jahr angesetzt, hinzu kommen die - 5 - weiteren Gewerke wie Gas und Wasser, etc. so dass derzeit mit einer Gesamtbauzeit von ca. 18 Monaten gerechnet wird.
Kostenberechnung
Bauen im Bestand ist stets mit großen Unwägbarkeiten verbunden. Insbesondere in der Innenstadt haben Altbestände im Untergrund unmittelbare Auswirkungen auf den Bauablauf, die Bauzeit und die Baukosten, was in der Vergangenheit durchgeführte Tiefbaumaßnahmen immer wieder zeigten. Die Kostenberechnung auf Basis der Entwurfsplanung sieht 1,55 Millionen Euro für die Baukosten des Mischwasserkanals vor, 450.000 Euro an Nebenkosten für die Vermessung und die geologische Unterstützung. Damit summiert sich die Kosteneinschätzung auf 2 Millionen Euro.
Kanalbauarbeiten Teichstrasse
Weiterführende Informationen
- Medieninformation vom 12. März 2026: Kanalerneuerung in der Teichstraße: Stadt nutzt Bauarbeiten für neue Straßenflächen und mehr Stadtgrün
- Medieninformation vom 5. Januar 2026: Neuverlegung des Kanals sowie der Gas- und Wasserleitung in der Teichstraße unter Vollsperrung
- Medieninformation vom 18. Dezember 2025: Baubeginn der Kanalsanierung in der Teichstraße ab Januar 2026