Fachbereich Medien und Kommunikation

Pressemitteilung

Erinnerung an die Deportation aus Lörrach


Erinnerung an die Deportation aus Lörrach Bei der Gedenkfahrt mit dem Zeitzeugen Dr. Kurt Maier vom 28. bis 29. Oktober 2018 wurde die Erinnerung an die Deportation aus Lörrach und den anderen Städten aufrechterhalten, Geschichtswissen vermittelt und der Opfer gedacht.
 
Der graue Oktobertag unterstreicht die kalte Atmosphäre dieses Ortes, an dem so viele Menschen gelitten, gehungert und doch noch gehofft haben. Ein Drittel von Ihnen wurde 1942 weiter in die Vernichtungslager im Osten transportiert. Auf dem Deportiertenfriedhof beginnt die Gedenkveranstaltung, dort ruhen 1073 Verstorbene, der Großteil von Ihnen Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland. „Sechseinhalbtausend Schicksale verbinden unsere Heimatorte und Gurs“ eröffnet der Oberbürgermeister von Pforzheim, Peter Boch, seine Rede. Boch betont die Bedeutung dieses Erinnerungsortes für die Bildungsarbeit als „Bindeglied zwischen der Verfolgung, Entrechtung und Enteignung der jüdischer Bürgerinnen und Bürger, die gerade zuhause – in der Geschichte unserer Gemeinden – fassbar wird, und dem größten Menschheitsverbrechen überhaupt: dem Holocaust“. Nach den Ansprachen und Gebeten wandern die Gäste zwischen den Gräbern – sieben davon tragen den Geburtsort Lörrach.
 
Kurt Maier besucht das Grab seines Opas, wie er ihn liebevoll nennt. Im Alter von 9 Jahren wurde er mit seiner Familie aus Kippenheim nach Gurs deportiert. Der rüstige 88-Jährige erzählt am nächsten Tag in einem sehr eindrücklichen Vortrag mit zahlreichen historischen Fotografien und humorvollen Anekdoten von seinen Alltag als Kind und von seiner Familie. Und dann wie sich die Stimmung veränderte, von den Repressionen gegen die jüdische Bevölkerung, dass die Nachbarskinder nicht mehr mit ihnen spielen durften, die jüdischen Kinder in gesonderte Schulen gehen mussten, wie sein Vater das Geschäft nicht mehr betreiben konnte, wie immer mehr Bekannte das Land verlassen haben – und von dem Tag als seine Familie mit einem LKW abgeholt wurde. Er erzählt von der Kälte in den Baracken, vom Hunger, dem ständigen Regen und dem Schlamm, den dreckigen Toiletten. Seine Familie hatte Glück: noch in Deutschland haben sie die Visaanträge für die USA gestellt und konnten im Lager per Post Kontakt zu den dortigen Verwandten und dem Amerikanischen Konsulat halten. Nach einem halben Jahr erhielten sie die Visa und gehören damit zu den etwa zehn Prozent der Lagerinnsassen, die legal oder durch eine Flucht dem Tod entkommen konnte. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sind ergriffen, es gibt viele Fragen, auch dazu wie Kurt Maier die heutige politische Situation und den Rechtsruck in der Gesellschaft einschätze. Dr. Kurt Maier gibt sich optimistisch – so schlimm wie damals sei es noch nicht und er vertraue darauf, dass in einem demokratischen Land wie Deutschlande heute solche Verbrechen nicht wieder geschehen könnten. Pfarrer Wolf Miethke, der den Zeitzeugen begleitet, war selbst 12 Jahre in Lörrach tätig und hat im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Kaufmännischen Schule zahlreiche Zeitzeugengespräch mit Herrn Maier organisiert.
 
„Die Begegnung mit dem Zeitzeugen Herrn Maier und die Besichtigung hier hat mich tief beeindruckt. Es ist wichtig sich an Gurs zu erinnern und die schrecklichen Auswirkungen dessen zu sehen, was damals in Lörrach ganz öffentlich geschah.“
betont Stadtrat Pichlhöfer „Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen, müssen immer wieder erneuert werden, die Pflege der Deportiertenfriedhofs in Gurs muss von Generation zu Generation verpflichtend weitergegeben werden.“
Aus Lörrach nahmen dieses Jahr neben Hans-Peter Pichlhöfer auch Sonja Raupp vom Fachbereich Kultur und Tourismus sowie die Schüler des Hebelgymnasiums Jonathan Bolle und Fabian Steiner an der Fahrt teil. Die Jugendlichen haben sich vorab mit dem Thema befasst: die Klasse 10c nahm an dem Geschichtsprojekt „Erinnerung sichtbar machen – 80 Jahre Reichspogromnacht“ teil und stellte Fotos und Texte zu zehn Lörracher Orten und Denkmalen zusammen. Die Ergebnisse des Projekts sind über die App „Future History“ abrufbar.
Die Arbeitsgemeinschaft Gurs, bestehend aus 17 badischen Städten und dem Bezirksverband Pfalz, organisiert die jährliche Gedenkfahrt für die Reisegruppe von jugendlichen und erwachsenen Vertreterinnen und Vertretern der Städte, des Oberrates der Israelitischen Religionsgemeinschaft und der Jüdischen Kultusgemeinden. Während die Pflege und Instandhaltung des Lagerfriedhofs der AG Gurs obliegt, ist das ehemalige Lagergelände „Camp de Gurs“  selbst eines der drei nationalen französischen Gedenkstätten für die Zeit des Nationalsozialismus. Ein Rundgang mit Informationstafeln, Fotografien, Hinweisschildern und einer nachgebauten Baracke erläutern den geschichtlichen Kontext und geben Einblicke in das Leben der Internierten. 2019 ist der Bau eines Museumsgebäudes mit Seminarraum geplant.
 
 

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