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Lärmaktionsplan - Fragen und Antworten

Was ist Lärm?
Lärm ist ein subjektiver Begriff. Der tropfende Wasserhahn nachts kann genauso störend sein, wie der vorbeifahrende LKW tagsüber. Lärm ist Schall, der stören, belästigen aber auch gefährden kann.

Wie schädlich ist Lärm?
Lärm stört, belastet und kann krank machen, insbesondere, wenn wir den ganzen Tag über Lärm ausgesetzt sind. Die Gefährlichkeit der Belastung durch Lärm kann sich auf den gesamten Organismus auswirken. Körperliche Stress-Symptome wie Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit und Kreislaufstörungen sind nur einige der möglichen Symptome. Besonders gefährlich ist die Belastung für das Herz-Kreislauf-System.

Was ist ein Dezibel?
Das menschliche Gehör verfügt über eine große Spanne zur Wahrnehmung des Schalldrucks. Die Schallintensität kann Millionen Mal stärker sein als unsere Hörschwelle. In der Akustik werden daher Schalldruckpegel in Dezibel (dB) angegeben. Die Dezibelskala ist logarithmisch aufgebaut, dadurch kann die Schallintensität von der Hörschwelle bis zur Schmerzgrenze (0 bis über 130 dB) erfasst werden. Sind die besonderen Belastungen bestimmter Schall-Frequenzen für das Ohr berücksichtigt, so wird der Schallpegel in der Einheit dB (A) gemessen. Der Zusammenhang zwischen Verkehrsmenge und Lärmbelastung kann folgendermaßen veranschaulicht werden:
  • Eine Verdoppelung der Verkehrsbelastung bewirkt eine Pegelerhöhung um 3 dB(A).
  • Eine Verzehnfachung der Verkehrsbelastung bewirkt eine Pegelerhöhung um 10 dB(A), d.h. eine Verdopplung der Lautstärke.
  • Eine wahrnehmbare Differenz in der Lärmbelastung von 1 dB(A) besteht bei Änderungen der Verkehrsmenge um mindestens 20 Prozent.
Wurden mit der Umgebungslärmrichtlinie Grenzwerte eingeführt?
Für die unterschiedlichsten Lärmverursacher gibt es unterschiedliche Gesetzeswerke mit vielen verschiedenen Richt-, Grenz,- oder Vorsorgewerten. So wird der Rasenmäherlärm anders beurteilt als der Lärm eines Freibades, Freibadlärm anders als der Straßenverkehrslärm. Diese unterschiedlichen Beurteilungskriterien beruhen auf unterschiedlicher Gesetzgebung, zu nennen sind bei diesen Beispielen die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung, die Sportstättenlärmschutzverordnung und die Verkehrslärmschutzverordnung.

Mit der Umgebungslärmrichtlinie wurden keine Grenzwerte eingeführt. Auch im Rahmen der nationalen Umsetzung wurden solche nicht definiert. In Baden-Württemberg wie auch in anderen Bundesländern werden Auslösewerte für die Lärmaktionsplanung genannt. Dies ist ein Wert, bei dessen Überschreitung Lärmschutzmaßnahmen in Erwägung gezogen oder eingeführt werden. Diese beziehen sich dabei auf die Dauerbelastung bei einem 24-Stunden-Wert (L(DEN)) bzw. auf den nächtlichen Mittelwert (L(Night)). Lärmprobleme liegen vor, wenn an Wohnungen, Schulen, Krankenhäusern oder anderen schutzwürdigen Gebäuden ein Lärmindex L(DEN) von 70 dB(A) oder L(Night) von 60 dB(A) überschritten wird. Im Rahmen der Lärmaktionsplanung Lörrach werden auch die gesundheitlichen Schwellenwerte des Umweltbundesamtes als Auslösekriterien für die Lärmaktionsplanung berücksichtigt (L(DEN) von 65 dB(A) und L(Night) von 55 dB (A)).
 
Warum wird Verkehrslärm berechnet und nicht gemessen?
Verkehrslärm setzt sich aus vielen verschiedenen Parametern zusammen. Zu nennen sind unter anderem Motorengeräusche, Reifen- und Fahrbahngeräusche, der Verkehrsfluss, die Geschwindigkeit, Steigungen, Ampeln, LKW–Anteile etc. Eine Lärmmessung an einer Straße kann immer nur eine punktuelle Momentaufnahme darstellen. Den gesamten Verkehrsverlauf und die damit einhergehende Geräuschbelastung über den gesamten Tag vermag eine Messung nicht darzustellen. Daher wurden Berechnungsverfahren beruhend auf Daten und Zählungen gesetzlich vorgeschrieben, um repräsentative Werte zu erhalten. Daher sind Lärmmessungen, auch wenn sie für Außenstehende überzeugender sind, rechtlich nicht zugelassen.

Die EU-Richtlinie und das Bundesimmissionsschutzgesetz schreiben die Berechnung für die Ermittlung von Lärmbelastungen vor. Lärmmessungen sind aufgrund der zahlreichen, die Lärmausbreitung beeinflussenden physikalischen Parameter (Wetterlagen, Windeinflüsse), mit hohen Ungenauigkeiten und mangelnder Vergleichbarkeit verbunden. Die rechnerisch ermittelten Werte haben durch Vergleiche mit den gemessenen eine hohe Genauigkeit und eignen sich insbesondere für die strategische Vorgehensweise zur Ermittlung der am stärksten betroffenen Bereiche.

Was beabsichtigt die EU mit der Umgebungslärmrichtlinie?
Mit der Verabschiedung der Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm setzt die Europäische Union neue Akzente im Lärmschutz. Diese Richtlinie verfolgt das langfristige Ziel, schädlichen Umgebungslärm zu vermeiden, ihm vorzubeugen oder ihn zu verringern. Die Umgebungslärmrichtlinie schreibt vor, dass die Geräuschbelastung in Ballungsräumen, an Hauptverkehrsstraßen, an Haupteisenbahnstrecken sowie in der Umgebung von Großflughäfen in Lärmkarten zu dokumentieren ist. Die Erstellung der Lärmkarten erfolgt in zwei Stufen:

In Stufe 1 waren bis zum 30. Juni 2007 die Lärmbelastungen für Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern, für Hauptverkehrsstraßen mit einer Verkehrsbelastung von mehr als 6 Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr (Kfz/Jahr), für Haupteisenbahnstrecken mit mehr als 60.000 Zügen pro Jahr und für Flughäfen mit mehr als 50.000 Flugbewegungen pro Jahr zu kartieren.

In Stufe 2 wird die Untersuchung auf Ballungsräume ab 100.000 Einwohnern, Hauptverkehrsstraßen ab 3 Millionen Kfz/Jahr und Haupteisenbahnstrecken ab 30.000 Zügen/Jahr ausgeweitet.
Im Anschluss an die Lärmkartierung müssen Lärmprobleme und Lärmauswirkungen durch Lärmaktionspläne angegangen werden. In diesen Lärmaktionsplänen sind geeignete Maßnahmen zur kurz-, mittel- und langfristigen Verminderung der Geräuschbelastung festzuschreiben.

Die Lärmaktionspläne sind alle 5 Jahre zu erstellen.
 
Werden alle Straßen, Schienenstrecken, Industrieflächen bei der Lärmkartierung berücksichtigt?
Es werden alle relevanten Hauptlärmquellen nach EU-Umgebungslärm-Richtlinie berücksichtigt, die Pegel von L(DEN) (Belastung über 24 Stunden - Day, Evening, Night) über 55 dB(A) oder L(Night) (Belastung 22.00 bis 6.00 Uhr) über 50 dB(A) verursachen.

Lärmaktionspläne sind  für alle von der Lärmkartierung erfassten Orte in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen, sowie für Ballungsräume aufzustellen. Welche Behörde diese Pläne erstellen muss, ist jedoch unterschiedlich zugeordnet.
 
Der Industrie- und Gewerbelärm ist nur in Ballungsräumen zu erfassen. In Ballungsräumen sind Gewerbelärm von IVU-Anlagen (Industrieanlagen, die der Richtlinie "Integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung" unterliegen gemäß RL 96/61/EG des Rates vom 24.September 1996) zu betrachten.
 
Für welche Ballungsräume Lärmaktionspläne aufzustellen sind, kann der Homepage der LUBW entnommen werden:
Kartierungsumfang für Baden-Württemberg (https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/24239/)

Als weitere Lärmquelle muss auch der Schienenlärm genannt werden. Zu Kartieren sind die Haupteisenbahnstrecken Schienenstrecke mit mehr als 30.000 Züge/Jahr
Zuständig hierfür ist ab 1. Januar 2015 das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) für die Haupteisenbahnstrecken des Bundes mit Maßnahmen in Bundeshoheit. Die Verpflichtung der Städte und Gemeinden zu einer Lärmaktionsplanung mit zusätzlichen Maßnahmen ist davon unberührt. Für die Planung und  Umsetzung der Maßnahmen ist die DB AG  zuständig. 

Welche Rückschlüsse kann man aus den Lärmkarten ziehen?
Aus den Lärmkarten kann abgelesen werden, in welchem Umfang die Bürgerinnen und Bürger in Lörrach durch Umgebungslärm betroffen sind. Durch die Verknüpfung von Lärmpegeln mit Betroffenenzahlen kann man erkennen, in welchen räumlichen Schwerpunkten des Stadtgebiets eine hohe Betroffenheit vorliegt.

Wie ist der Ablauf der Lärmaktionsplanung?
Der Ablauf der Lärmaktionsplanung in Lörrach gliedert sich in folgende Schritte:
  • In den Strategischen Lärmkarten wird die Lärmbelastung in Lörrach dargestellt und die betroffene Bevölkerung ermittelt. Die Lärmbelastung wird über eine Lärmausbreitungsrechnung errechnet, in die neben den Emissionsdaten der relevanten Lärmquellen, Daten über die Bebauung und Topographie/digitales Geländemodell eingehen. Über die Lärmkartierung und die Anzahl der Betroffenen wird die Öffentlichkeit unterrichtet.
  • Im Rahmen der Lärmaktionsplanung werden Maßnahmen zur Lärmminderung an den am stärksten betroffenen Stellen im Stadtgebiet erarbeitet, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden können. Das Ergebnis ist der Lärmaktionsplan.

Inwieweit besteht eine Verpflichtung zur Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen?
Aus dem Lärmaktionsplan entstehen keine Rechtsansprüche auf schallmindernde Maßnahmen und den Zeitraum ihrer Umsetzung. Die im Lärmaktionsplan enthaltenen Maßnahmen sind durch bestehende Instrumente umzusetzen. Der Gemeinderat der Stadt Lörrach verabschiedet den Lärmaktionsplan und entscheidet über den Einsatz von Haushaltsmitteln für Lärmminderungsmaßnahmen.

Wie wird die Lärmbetroffenheit festgestellt?
Die einwohnerbezogene Lärmbetroffenheit wird über die Betroffenheitsanalyse nach der „Berechnungsmethode zur Ermittlung der Belastetenzahlen durch Umgebungslärm“ (VBEB) für den Straßenverkehr dargestellt. In dem Verfahren werden die Hausbewohner anteilig berücksichtigt.

Welches Straßennetz wurde bei der Lärmkartierung in Lörrach berücksichtigt?
In Lörrach wurden alle Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 8.000 Kraftfahrzeugen pro Tag berücksichtigt. Darüber hinaus wurden weitere wichtige Verkehrsstraßen mit einer durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke mit mehr als  8000 Kraftfahrzeugen berücksichtigt, um die Lärmaktionsplanung auf ein zusammenhängendes  Straßennetz aufbauen zu können.

Von wann stammen die Eingangsdaten zur Kartierung?
Die für die Berechnungen zur Verfügung gestellten Verkehrszahlen stammen aus den Jahren 2011 / 2012.

Welche Straßen sind in Lörrach die Lärmschwerpunkte mit den meisten Betroffenheiten?
Die fünf am stärksten belasteten Straßen mit den meisten betroffenen Bewohnern in Lörrach sind:
  • Lörracher/Schopfheimer Straße
  • Basler Straße (Mitte)
  • Wallbrunnstraße
  • Mühlestraße
  • Basler/Bahnhofstraße Süd
Ist die Autobahn in der Lärmaktionsplanung berücksichtigt?
Auch die Lärmbelastung der A98 ist Bestandteil des Lärmaktionsplanes.
 
 


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