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Stolpersteine für die Geschwister Beck
28. Januar 1878 in Lörrach – August 1942 in Auschwitz

Isaak Beck war das zweitälteste Kind aus der zweiten Ehe seines Vaters, Daniel Beck, der in Teichstrasse 9 in Lörrach eine Metzgerei betrieb.

Anders als seine Brüder Ludwig, Gustav und Bernhard ergriff Isaak Beck nicht den Beruf des Metzgers bzw. Viehhändlers. Im Stadtarchiv Lörrach erhaltene Adressbücher weisen ihn als Kaufmann aus.

Isaak Beck war vor der NS-Zeit neben Alfred Bodenheimer und Bernhard Loeb Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Lörrachs. Er wohnte zusammen mit seinen Geschwistern Adele, Bernhard, Isaak, Samuel und seiner Nichte Alice Geismar im Haus der von Bernhard Beck betriebenen Metzgerei in der Teichstraße 9.

Am 10. November wurde er wie alle jüdischen Männer in Lörrach von der Gestapo inhaftiert und in das Konzentrationslager Dachau verbracht. In der Folgezeit gaben er und seine Geschwister Umstände halber ihren Wohnsitz in der Teichstraße 9 auf und zogen in die Teichstraße 29. Hier wurden Isaak Beck, seine Schwestern Babette und Adele und sein Bruder Samuel am 22. Oktober 1940 von Gestapoleuten abgeholt, zum nahegelegenen Sammelpunkt in der Handelsschule am heutigen Marktplatz überführt und über Freiburg in das unbesetzte Frankreich deportiert.

Bis unmittelbar vor seiner Deportation erfüllte Isaak Beck die ihm von der NS-Verwaltung in Lörrach aufgenötigten Pflichten als letzter verbliebener Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Lörrachs, die allerdings keine Gemeinde mehr war. Issak Beck oblag die Verpflichtung, den verbliebenen Rest des Besitzes der Israelitischen Kultusgemeinde, wie von den NS-Behörden gefordert, in nichtjüdischen Besitz zu überführen.

Unter bekanntermaßen menschenunwürdigen Bedingungen war Isaak Beck zunächst im Lager Gurs am Fuße der Pyrenäen interniert. Ein Lebenszeichen von ihm aus dem Lager Récébédou ist in Form eines Briefs, datiert vom 15. April 1942, erhalten. Noch waren die verbliebenen Familienmitglieder beisammen. Ab Anfang August 1942 transportierten Gendarmen des Vichy Regimes die in Gurs und anderen Lagern internierten Juden in das Sammellager Drancy. Am 14. August wurde Isaak Beck von Drancy nach Auschwitz verbracht. Das gleiche Schicksal war seiner Schwester Adele zwei Tage zuvor widerfahren. Beide wurden am Tag ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet.


Quellenhinweise

  • Stadtarchiv Lörrach:
    Adressbücher mit Branchenverzeichnissen bis zum Jahr 1932,
    Liste der Deportierten vom 22. Oktober 1940
  • Staatsarchiv Freiburg:
    Gefangenenbuch des Gefängnisses des Amtsgerichts Lörrach, StAF, G 723/1 8
    Rückerstattung (Grundstück mit Wohnhaus in Lörrach, Teichstr.13), StAF F 166/3 944
  • Hauptstaatsarchiv Stuttgart:
    Chronik des alten und neuen Friedhof, HStA J 386 Bü 360 Bild 23
  • Bildrechte: Privatarchiv Andrea Beecher, New York
  • Serge Klarsfeld, Le Mémorial De La Déportation Des Juifs De France
    In dieser Auflistung aller aus Frankreich deportierten Juden wird das Lager Récébédou als Isaak Becks letzter Aufenthaltsort im unbesetzten Frankreich genannt.
(Autor: Ulrich Tromm)
    Das in den frühen 1930er Jahren entstandene Bild zeigt Isaak Beck im Kreise seiner Familie. Er steht in der hinteren Reihe in der Mitte. Das Bild entstammt dem Privatbesitz seiner in New York lebenden Großnichte, Andrea Beecher.
    Isaak Beck (hintere Reihe Mitte) im Kreise seiner Familie (© Privatbesitz Andrea Beecher)
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