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Stolperstein für Heinz Leible
Heinz Leible wurde in Lörrach am 10. Juli 1913 geboren. Er war katholisch, ledig und hatte den Beruf des Speditionskaufmanns erlernt. Seine Eltern, Julius und Julie Leible, führten einen Tabakladen und ein Porzellanwarengeschäft in Lörrach. Heinz wohnte mit seinen Eltern, den Brüdern Egon und Franz, sowie seiner Schwester Margret in der Wallbrunnstraße 10.

Drei Jahre besuchte er in Meersburg am Bodensee eine Internatsschule. Während seiner Ausbildung sammelte er Berufserfahrung in Italien und Frankreich und sprach sowohl Französisch als auch Italienisch gut. Heinz war musikalisch begabt und ein fröhlicher junger Mann.

Im Alter von 23 Jahren wurde er im Oktober 1936 wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen (§175) in Lörrach verhaftet.  Am 7. April 1937 wird Heinz Leible vom Landgericht Freiburg zu 10 Monaten Haft verurteilt.  Im Herbst 1937 wurde er aus der Haft entlassen, kurze Zeit später aber in Karlsruhe erneut verhaftet. Er wurde erneut verurteil, diesmal zu 3 Monaten Haft. Aus dem Gefängnis Karlsruhe schreibt er am 13. März 1938 seinen Eltern, in der Hoffnung nach der Ladung zur Musterung schnell zum Kriegsdienst eingezogen zu werden. Aber, nach Verbüßung seiner Strafzeit kam er nicht frei, sondern wurde in „Schutzhaft“ genommen. Vom Gefängnis Heidelberg kam er am 6. August 1938 als „Schutzhäftling Homosexuell“ ins KZ Dachau (Häftlingsnummer 18363).

Am 27. September 1939 wurde er ins KZ Mauthausen, Österreich überführt (Häftlingsnummer 864). Wie viele andere homosexuelle Häftlinge wurde er zu schwerer Zwangsarbeit im Steinbruch des Außenlagers Gusen bei Linz eingeteilt, wo die Männer im Laufschritt Steine schleppen mussten. Offenbar wegen seiner kaufmännischen Ausbildung und Sprachkenntnisse wurde er später in der Lagerverwaltung des KZ Mauthausen eingesetzt. Während seiner KZ-Haft versuchten sein Vater und seine Geschwister verzweifelt mit Briefen an den örtlichen Gestapochef, die Gestapozentrale in Karlsruhe, an Gestapochef Heydrich und die Reichskanzlei in Berlin, Heinz Leible frei zu bekommen. Er schrieb regelmäßig nach Hause und 55 Briefe sind erhalten, im Dreiländermuseum. Auch sein älterer Bruder Egon, der die Offiziersschule besucht hat und Leutnant geworden ist, setzt sich für Heinz Freilassung ein. Alle Bemühungen der Angehörigen blieben vergeblich. Heinz wurde am 6. September 1943 vom Lagerkommandanten erdrosselt, weil er versucht hatte, einen Brief an seine Familie hinaus zu schmuggeln. Offiziell wurde die Todesursache mit „Freitod durch Erhängen“ dokumentiert.
 
Die Auszüge aus dem Gefangenenbuch verbinden die Opfer der NS-Herrschaft.

(Autor: Dr. Markus Hofmann)
    Heinz Leible (Foto: Privat Familie Leible)
    Heinz Leible
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