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Stolpersteine in Lörrach

Der Gemeinderat der Stadt Lörrach hat in seiner Sitzung vom 26. September 2019 beschlossen, ein Beiratsverfahren zur Verlegung von Stolpersteinen durchzuführen. Mit der Durchführung des Verfahrens wurde die Stadtverwaltung beauftragt. Hierzu wurde ein Beirat zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Lörrach eingerichtet, der sich laut Gemeinderatsbeschluss aus Vertretern der Verwaltung, der Gemeinderatsfraktionen und der Zivilgesellschaft zusammen.

Erste Stolpersteine in Lörrach 2020


In seiner ersten Sitzung am 17.01.2020 hatte der Beirat das Prozedere sowie die Kriterien zur Antragstellung festgelegt. Anfang des Jahres wurden dem Beirat daraufhin zwei Anträge mit insgesamt 19 Opferpersonen an sechs unterschiedlichen Orten eingereicht. Diese Anträge wurden im Stadtarchiv auf Vollständigkeit geprüft. Schließlich hat der Beirat für dieses Jahr acht Personen ausgesucht, die an drei verschiedenen innerstädtischen Orten gelebt haben. Darunter befindet sich auch die Familie Denz, deren Schicksal als Zeugen Jehovas schon durch verschiedene Veröffentlichungen dokumentiert ist. Beide Anträge auf Verlegung konnten durch die Entscheidung des Beirats berücksichtigt werden. Für dieses Jahr wurde gemeinsam mit dem Künstler Gunter Demnig die Verlegung der ersten acht Stolpersteine in Lörrach für den 24.09.2020 vereinbart. Am 23.09.2020 wird der Künstler das europaweite Gedenkprojekt „Stolpersteine“ im Hebelsaal des Dreiländermuseums vorstellen.

Die Verwaltung ist aktuell in ersten Gesprächen mit den Eigentümerinnen und Eigentümern der Gebäude, vor denen Stolpersteine verlegt werden sollen. Sobald die weiteren organisatorischen Schritte geklärt sind, können auch diese Namen und Orte öffentlich gemacht werden.


Hintergrund zum Projekt


Schon seit einigen Jahren wird in Lörrach die Frage diskutiert, ob zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auch in Lörrach Stolpersteine verlegt werden sollen. Das Projekt Stolpersteine wurde durch den Künstler Gunter Demnig in den 1990er Jahren zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus konzipiert. Stolpersteine sind 10 x 10 Zentimeter große Messingplatten, die auf Betonsteine aufgebracht werden, und dann in den Gehweg oder Straßenbelag vor dem letzten Wohnort des Opfers eingelassen werden. Jeder einzelne Stein erinnert an das Leben eines Opfers des Nationalsozialismus und beschreibt mit wenigen Worten das Leiden und Sterben der Person.

Das Verlegen der Steine im Boden soll dazu führen, dass heutige Betrachter über die Steine gedanklich „stolpern“, und darauf aufmerksam werden, dass an diesem Ort einst Menschen gelebt haben, die durch die Gewalt des nationalsozialistischen Regimes zu Opfern wurden. Eine zweite Bedeutungsebene liegt darin, dass sich die heutigen Betrachterinnen und Betrachter den Kopf senken müssen, um die Steine auf der Straße zu betrachten, wobei sie sich gleichsam symbolisch vor den Opfern verbeugen.
Das Projekt wird von Anfang an auch von kritischen Stimmen begleitet, unter anderem wurde bemängelt, dass Menschen mit Füßen auf die Steine träten und die Steine im Schmutz lägen.
 
In Lörrach hatte sich ursprünglich die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) gegen Stolpersteine für jüdische Opfer ausgesprochen. Daher wurde für die jüdischen Opfer in der Teichstraße eine Gedenkstele errichtet. Auch folgte der Lörracher Gemeinderat dieser Haltung und sprach sich generell gegen Stolpersteine aus. Seit 2018 gab es eine neue Initiative zur Verlegung von Stolpersteinen und auch in der jüdischen Gemeinde kam es zu einem Umdenken, sodass auf Antrag der Verwaltung der Gemeinderat im September 2019 der Verlegung von Stolpersteinen grundsätzlich zugestimmt hat.
 
Unter Federführung des städtischen Fachbereichs Kultur und Tourismus hat sich seit Januar 2020 ein Beirat zusammengefunden, der über die Aktivitäten zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus entscheidet. Dieser Beirat hat sich für die Verlegung von ausgewählten Stolpersteinen an wenigen Orten ausgesprochen. Eine möglichst große Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Opfergruppierungen war dem Beirat wichtig. Das Verlegen von Stolpersteinen soll auch in Lörrach als ein dynamischer Prozess angegangen werden, der die Stadt in den kommenden Jahren begleiten wird. Daher werden auch weiterhin Anträge auf Verlegung von Stolpersteinen vom Fachbereich Kultur und Tourismus entgegengenommen.


Inhalte der Anträge


Die Vorschläge sollen folgende Angaben inklusive ausreichender Dokumentation (Kopie der Quelle und Quellenverweis) beinhalten:
  • vollständige Namen und Adressen der betroffenen Personen
  • Lebensdaten der betroffenen Personen (Geburts- und Sterbejahr, Geburtsort und Hauptwohnsitz zum Zeitpunkt der Tat)
  • Art des Verbrechens beziehungsweise Todesursache (ermordet, deportiert, Tod im Konzentrationslager o.ä.) und vorgebliche Begründung des Verbrechens (Religion, Politik, Krankheit o.ä.)
  • Lebenslauf beziehungsweise kurzer Lebensbericht (circa 1 Din-A 4 Seite)
  • Fotos, Bildmaterial, Zeugnisse, sonstige Belegdokumente (in Kopie mit Quellenangabe)
  • Nachweis über mögliche Nachfahren und bestehende Kontakte zu diesen
  • Angaben zur Finanzierung des jeweiligen Stolpersteins (Kosten: 120 Euro pro Stolperstein)
 
Es werden zudem nur Vorschläge umgesetzt, die den hier aufgeführten Kriterien zur Verlegung von Stolpersteinen in Lörrach entsprechen, die der Gemeinderat am 26. September 2019 verabschiedet hat.



Kritierien zur Verlegung von Stolpersteinen


  • Stolpersteine in Lörrach werden für Menschen verlegt, deren Lebensmittelpunkt Lörrach war, die unter dem nationalsozialistischen Herrschaftssystems sehr unmittelbar gelitten haben und deren Lebens- und Leidensweg ausreichend gut dokumentiert ist.

  • Stolpersteine in Lörrach werden nicht verlegt, wenn direkte Nachfahren der Opfer sich explizit gegen eine Verlegung aussprechen.

  • Stolpersteine werden nicht verlegt oder nachträglich entfernt, wenn ausreichend dokumentiert ist, dass die gewürdigten Personen in ihrem Leben und Wirken den Grundsätzen der Lörracher Erinnerungskultur widersprochen haben bzw. dass sie nicht nur Opfer sondern auch Täter waren.

  • Stolpersteine in Lörrach werden nach einer ausreichenden Prüfung der historischen Dokumente verlegt, aus denen eindeutig hervorgeht, dass die unter 1 genannten Kriterien erfüllt sind. Diese historischen Dokumente und Quellen sind durch bürgerschaftliche Initiativgruppen zu recherchieren und in aufbereiteter Form dem Stadtarchiv vorzulegen. Die Prüfung erfolgt durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtarchivs oder durch Historikerinnen und Historiker, die vom Stadtarchiv beauftragt werden.

  • In Lörrach verlegte Stolpersteine enthalten kein Vokabular, das sich eindeutig auf die Ideologie des Nationalsozialismus bezieht und welches aus heutiger Sicht nur mit Erklärungen verständlich wird. Begrifflichkeiten wie „Volksschädling“, „Rassenschande“ oder ähnliche bedürfen einer ausführlichen historischen Erklärung, die aber auf dem kleinen Format eines Stolpersteins nicht umgesetzt werden kann.

  • Die geprüften Empfehlungen werden durch den Beirat zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus begutachtet und genehmigt. Nur in strittigen Fällen übergibt der Beirat dem Gemeinderat die Entscheidung mit einer begründeten Beschlussempfehlung.

Der Beirat


Der Beirat setzt sich aus Vertretern der Verwaltung, der Gemeinderatsfraktionen und der Zivilgesellschaft zusammen.

An der ersten Sitzung nahmen teil (auf dem Bild von links nach rechts): Axel Hüttner (Pfarrer a.D., Grenzach-Wyhlen), Hannah Wind und Roger Huber (Schülerinnen und Schüler), Hubert Bernnat (Fraktion SPD), Lars Frick (Fachbereich Kultur und Tourismus), Andreas Lauble (Stadtarchiv), Verhindert waren die Vertreterinnen und Vertreter der anderen Fraktionen.
Der Beirat zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Lörrach
Lars Frick

Ihr Ansprechpartner

Lars Frick   Fachbereichsleiter Kultur und Tourismus
Telefon: 0 76 21 4 15-1 31  l.frick@loerrach.de  Weitere Informationen
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