Volltextsuche auf: https://www.loerrach.de
Volltextsuche auf: https://www.loerrach.de

Stolpersteine in Lörrach

Der Gemeinderat der Stadt Lörrach hat in seiner Sitzung vom 26. September 2019 beschlossen, ein Beiratsverfahren zur Verlegung von Stolpersteinen durchzuführen. Mit der Durchführung des Verfahrens wurde die Stadtverwaltung beauftragt. Hierzu wurde ein Beirat zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Lörrach eingerichtet, der sich laut Gemeinderatsbeschluss aus Vertretern der Verwaltung, der Gemeinderatsfraktionen und der Zivilgesellschaft zusammen.
In seiner ersten Sitzung am 17. Januar 2020 hat der Beirat das Prozedere sowie die Kriterien zur Antragstellung festgelegt. Der Ablauf sieht vor, dass ab sofort Anträge von Initiativen zur Verlegung von Stolpersteinen eingereicht werden können, die   im Anschluss durch die Mitarbeiter des Stadtarchivs geprüft werden. Im Frühsommer wird der Beirat in einer zweiten Sitzung über die konkreten Vorschläge zur Verlegung von ersten Stolpersteinen in Lörrach entscheiden.
 
Der Fokus der Beurteilung liegt auf einer würdigen und feierlichen Zeremonie, zu der möglichst auch Angehörige eingeladen werden können. Auch wurde festgelegt, dass es in diesem Jahr bei einer überschaubaren Anzahl von Verlegungen bleiben soll. Die konkrete Zahl wird sich erst aus den Ergebnissen  der Prüfung ergeben.
 
Vollständig ausrecherchierte Anträge, die in diesem Jahr nicht realisiert werden können, werden für eine Verlegung in den kommenden Jahren berücksichtigt. Das Projekt „Stolpersteine in Lörrach“ soll in jedem Fall ein auf Dauer angelegtes Projekt sein. Es geht nicht darum in kurzer Zeit möglichst viele Stolpersteine zu verlegen. Vielmehr soll mit den regelmäßigen Verlegungen das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Lörrach immer wieder thematisiert werden.
 
Bürgerinnen und Bürger, die konstruktive Vorschläge zur Verlegung von Stolpersteinen haben, können sich gerne an den städtischen Fachbereich Kultur und Tourismus wenden. Die vollständigen Anträge können bis spätestens 28. Februar 2020 eingereicht werden.


Inhalte der Ausschreibung


Der Beirat erbittet Vorschläge aus der Bürgerschaft, an welchen Orten für welche Personen, die unmittelbar durch die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes in Lörrach zu Opfern geworden sind, Stolpersteine verlegt werden sollen.
 
Die Vorschläge sollen folgende Angaben inklusive ausreichender Dokumentation (Kopie der Quelle und Quellenverweis) beinhalten:
  • vollständige Namen und Adressen der betroffenen Personen
  • Lebensdaten der betroffenen Personen (Geburts- und Sterbejahr, Geburtsort und Hauptwohnsitz zum Zeitpunkt der Tat)
  • Art des Verbrechens beziehungsweise Todesursache (ermordet, deportiert, Tod im Konzentrationslager o.ä.) und vorgebliche Begründung des Verbrechens (Religion, Politik, Krankheit o.ä.)
  • Lebenslauf beziehungsweise kurzer Lebensbericht (circa 1 Din-A 4 Seite)
  • Fotos, Bildmaterial, Zeugnisse, sonstige Belegdokumente (in Kopie mit Quellenangabe)
  • Nachweis über mögliche Nachfahren und bestehende Kontakte zu diesen
  • Angaben zur Finanzierung des jeweiligen Stolpersteins (Kosten: 120 Euro pro Stolperstein)
 
Es werden zudem nur Vorschläge umgesetzt, die den hier aufgeführten Kriterien zur Verlegung von Stolpersteinen in Lörrach entsprechen, die der Gemeinderat am 26. September 2019 verabschiedet hat.


Kritierien zur Verlegung von Stolpersteinen


  • Stolpersteine in Lörrach werden für Menschen verlegt, deren Lebensmittelpunkt Lörrach war, die unter dem nationalsozialistischen Herrschaftssystems sehr unmittelbar gelitten haben und deren Lebens- und Leidensweg ausreichend gut dokumentiert ist.

  • Stolpersteine in Lörrach werden nicht verlegt, wenn direkte Nachfahren der Opfer sich explizit gegen eine Verlegung aussprechen.

  • Stolpersteine werden nicht verlegt oder nachträglich entfernt, wenn ausreichend dokumentiert ist, dass die gewürdigten Personen in ihrem Leben und Wirken den Grundsätzen der Lörracher Erinnerungskultur widersprochen haben bzw. dass sie nicht nur Opfer sondern auch Täter waren.

  • Stolpersteine in Lörrach werden nach einer ausreichenden Prüfung der historischen Dokumente verlegt, aus denen eindeutig hervorgeht, dass die unter 1 genannten Kriterien erfüllt sind. Diese historischen Dokumente und Quellen sind durch bürgerschaftliche Initiativgruppen zu recherchieren und in aufbereiteter Form dem Stadtarchiv vorzulegen. Die Prüfung erfolgt durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtarchivs oder durch Historikerinnen und Historiker, die vom Stadtarchiv beauftragt werden.

  • In Lörrach verlegte Stolpersteine enthalten kein Vokabular, das sich eindeutig auf die Ideologie des Nationalsozialismus bezieht und welches aus heutiger Sicht nur mit Erklärungen verständlich wird. Begrifflichkeiten wie „Volksschädling“, „Rassenschande“ oder ähnliche bedürfen einer ausführlichen historischen Erklärung, die aber auf dem kleinen Format eines Stolpersteins nicht umgesetzt werden kann.

  • Die geprüften Empfehlungen werden durch den Beirat zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus begutachtet und genehmigt. Nur in strittigen Fällen übergibt der Beirat dem Gemeinderat die Entscheidung mit einer begründeten Beschlussempfehlung.

Der Beirat


Der Beirat setzt sich aus Vertretern der Verwaltung, der Gemeinderatsfraktionen und der Zivilgesellschaft zusammen.

An der ersten Sitzung nahmen teil (auf dem Bild von links nach rechts): Axel Hüttner (Pfarrer a.D., Grenzach-Wyhlen), Hannah Wind und Roger Huber (Schülerinnen und Schüler), Hubert Bernnat (Fraktion SPD), Lars Frick (Fachbereich Kultur und Tourismus), Andreas Lauble (Stadtarchiv), Verhindert waren die Vertreterinnen und Vertreter der anderen Fraktionen.
Der Beirat zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Lörrach
Lars Frick

Ihr Ansprechpartner

Lars Frick   Fachbereichsleiter Kultur und Tourismus
Telefon: 0 76 21 4 15-1 31  l.frick@loerrach.de  Weitere Informationen
Nach oben