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Stolpersteine für Rosa und Julius Riffel

Julius Riffel wurde am 8. Dezember 1905 in Stetten, heutiger Stadtteil von Lörrach, geboren. Er besuchte die Volkschule in Lörrach und lernte zunächst das Schneiderhandwerk. Nachfolgend war er als Stoffdrucker und dann als Weber tätig. Laut eigenen Angaben ist er den Bibelforschern/Jehovas Zeugen im Jahr 1925 beigetreten. Die Heirat mit Rosa Riffel geborene Forster fand laut standesamtlicher Beurkundung am 7. März 1936 in Lörrach statt. Bis zu ihrer Flucht in die Schweiz, in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1937, lebten die beiden zudem gemeinsam in der Gretherstraße 4 in Lörrach.

Julius RiffelVom 7. November 1937 bis Ende Januar 1938 hielten sich Julius Riffel und seine Frau in Bern/Schweiz auf, wo sich damals das Zweigbüro von Jehovas Zeugen für Zentraleuropa befand. Julius Riffel erklärte sich Ende Januar 1938 dazu bereit, illegal nach Deutschland zurückzukehren, mit dem Auftrag die Untergrundorganisation von Jehovas Zeugen in Württemberg und Baden zu strukturieren. Seine Frau blieb hingegen in der Schweiz zurück.

Am 11. Februar 1938 übertritt Julius Riffel im Wald bei Wyhlen, in der Nähe von Basel, ohne gültige Ausweispapiere die deutsch-schweizerische Grenze und begibt sich zunächst nach Konstanz. Nur drei Tage später, am 14. Februar 1938, wird Riffel am Hauptbahnhof in Stuttgart verhaftet, da er mit verbotenem Schriftgut aufgegriffen worden war. Für seinen illegalen Aufenthalt in Deutschland hatte Riffel, neben Stuttgart, noch zwei weitere Kontaktadressen, eine in Reutlingen und eine in Singen/Hohentwiel. Offenbar sollte er bei anderen Zeugen Jehovas Unterstützung für seine Tätigkeit einholen, wozu es aber nicht kam.

Ab dem 14. Februar 1938 befindet sich Julius Riffel im Gefängnis, zunächst in Untersuchungshaft in Stuttgart. Nach seiner Verurteilung am 22. September 1938 aufgrund dem Mitführen und Verteilen von verbotenen Druckschriften, „dem versuchten Aufbau einer neuen illegalen Organisation“ sowie wegen „Passvergehens“, kommt Riffel in reguläre Haft. Die Untersuchungshaft wird ihm laut Aktenlage lediglich teilweise auf die Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten angerechnet. Anfang Oktober 1938 wird Riffel in das Gefängnis in Freiburg im Breisgau überstellt, wo er bis zu seiner Entlassung am 22. Juni 1941 verbleibt. Die brutalste Zeit stellt laut eigener Aussage diese ersten siebeneinhalb Monate Untersuchungshaft dar, in denen er von der Gestapo misshandelt und geschlagen wird, mutmaßlich um noch mehr über das vermeintliche Untergrundnetzwerk zu erfahren und ihn auch zum Eingeständnis seines Vorhabens zu bringen.

Nach seiner Haftentlassung kehrt Julius Riffel nach Lörrach zurück. Hier musste er sich täglich bei der Polizei melden und stand unter ständiger Beobachtung. Trotzdem setzte er, laut eigener Aussage, seine Untergrundtätigkeit im Großraum Lörrach vorsichtig fort und entgeht so bis zum Kriegsende weiteren Verhaftungen.

Nach 1945 lebten Julius Riffel und seine Frau Rosa, die ihrerseits von 1942 bis 1945 in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert gewesen war, wieder zusammen in Lörrach, wo er am 10. Mai 1977 verstorben ist.

Autoren: Jürgen Schaser und Kai Bühler (Stadtarchiv Lörrach)

Quellen

  • Stadtarchiv Lörrach (Geburts-, Heirats- und Meldedaten)
  • ITS Bad Arolsen (Onlinearchiv)
  • Bundesarchiv Berlin (R 58/6062)
  • Staatsarchiv Freiburg (G 701/2 Nr. 140)

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