Berta Schwab ist am 20. September 1881 in einer Lörracher jüdischen Familie geboren. Sie war das dritte von vier Geschwistern: Edmund Schwab (1879), Julius Schwab (1880) und Samuel Schwab (1882). Berta Schwab arbeitete über Jahrzehnte im Kaufhaus Sally Knopf in der Basler Straße 152 als Verkäuferin und Ausbilderin.
Das Kaufhaus Knopf wurde im Jahr 1895 in Lörrach eröffnet. Es war Teil einer der größten deutschen Warenhausketten, die von den jüdischeBrüdern Max, Moritz, Albert und Sally Knopf gegründet wurde. Neben den Stammhäusern in Karlsruhe, Straßburg und Freiburg gab es fast 90 Filialen und Partnerbetriebe in Süddeutschland, im Elsass und in der Schweiz. Durch den zentralisierten Einkauf konnte das Unternehmen sehr günstige Preise anbieten. Es war der Beginn des Massenkonsums auf großen Verkaufsflächen in prachtvollen Neubauten.
Viele Lörracherinnen und Lörracher dürften Berta Schwab dort begegnet sein. Sie ist sicherlich mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf einer Postkarte zu sehen, die den 1910/1911 eingeweihten Jugendstilbau mit Stahlbetonfassade zeigt.
Als 52-jährige Verkäuferin muss Berta Schwab die antisemitische Demütigung und Schikanen der SA-Männer am 1. April 1933 erlebt haben. Das Kaufhaus Knopf sowie alle von jüdischen Personen geführten Geschäfte wurden Ziel der Hetzpropaganda und antisemitischer Boykottaktionen der Nazis. Diese zwangen die jüdischen Besitzer zur Aufgabe oder zur Schließung. 1937 musste Arthur Knopf die Kaufhäuser in Lörrach, Freiburg und Emmendingen weit unter Wert verkaufen. Die Entrechtung und Ausgrenzung schritten voran. Berta Schwab muss als jüdische Mitarbeiterin ab diesem Zeitpunkt ohne Arbeit und damit wohl auch ohne Einkünfte gewesen sein.
Nach der Verwüstung der Synagoge durch stadtbekannte Nazis und der Deportation der jüdischen Männer am 10. November 1938 nach Dachau verschärften sich die Verfolgung und der Druck zur Auswanderung auf die jüdische Bevölkerung. Nach dem Novemberpogrom flüchteten viele Juden und Jüdinnen. Berta Schwab, die in Lörrach blieb, musste ihre Wohnung in der Karlstraße 10, der heutigen Feldbergstraße, verlassen und in das Haus der Familie Bodenheimer in der Tumringer Straße 260 mit anderen jüdischen Menschen ziehen. Der Familie Bodenheimer gehörte das Schuhhaus Bodenheimer, im heutigen Kaufhaus Kilian.
Am 22. Oktober 1940 wurde Berta Schwab mit den 52 in Lörrach verbliebenen Juden und Jüdinnen in den frühen Morgenstunden von Ordnungspolizei und Gestapo verhaftet, auf dem Marktplatz zusammengebracht und in Lastwagen gesetzt. Sie hatten kaum Zeit, die wenigen Dinge zusammenzupacken, die sie mitnehmen durften. In der Alten Handelsschule mussten sie vor Notaren ihr Eigentum an den NS-Staat abtreten. Laut einer Augenzeugin, deren Mutter als Lehrling bei „Fräulein Schwab“ im Kaufhaus Knopf gewesen ist, wurde die 59-jährige Berta Schwab per Fußtritt in den Mannschaftswagen gezwungen. Die mutmaßlich von Täterseite beauftragten Fotos der Deportation der Lörracher Juden und Jüdinnen zeigen wahrscheinlich auch Berta Schwab. Nur wenige der Deportierten wurden bis jetzt von Historikern und Historikerinnen mithilfe von Familienangehörigen identifiziert.
Berta Schwab sowie mehr als 6.500 jüdische Menschen aus Baden und der Saarpfalz wurden am Tag danach in das französische Internierungslager Gurs am Rande der Pyrenäen deportiert. In diesem Barackenlager herrschten schlimme Lebensbedingungen: Hunger, Kälte und Krankheiten. Die Internierten konnten Hilfspakete sowie Geld von Verwandten und Freunden bekommen. Berta Schwab erhielt finanzielle Unterstützung ihres Bruders Julius Schwab, der in der Schweiz wohnte. Sie wurde später in das Internierungslager Noé verlegt.
Berta Schwab sowie alle jüdischen Internierten, denen es nicht gelang, dank Ausreisepapieren oder Geld das Lager zu verlassen, wurden im Sommer 1942 von der mit NS-Deutschland kollaborierenden Vichy-Regierung in das Sammellager Drancy nördlich von Paris überstellt. Von da aus organisierte die SS die Deportationen nach Auschwitz. Berta Schwab wurde am 14. August 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Bruder Edmund Schwab wurde mit dem gleichen Konvoi 19 nach Auschwitz deportiert und ebenfalls ermordet.
Kommentar zum Stolperstein
Der Stolperstein für Berta Schwab wurde vor ihrer letzten Arbeitsstätte, in der Basler Straße 152, verlegt. Berta Schwab wohnte über Jahrzehnte in der Baslerstraße 7. Ihre letzte bekannte Adresse war die Wohnung der Familie Bodenheimer in der ehemaligen Adolf-Hitler-Straße 260, heutigen Tumringer Straße 260, in die sie zu einem unbekannten Zeitpunkt unter der NS-Verfolgung einziehen musste.
Autoren: Ulrich Tromm, Amélie Kratz
Archiv/Quellen
- Stadtarchiv Lörrach, Lörracher Adressbücher 1900, 1908, 1920, 1926, 1932
- Stadtarchiv Lörrach, Standesamt Geburtenbücher 1879, 1880, 1881, 1882
- Staatsarchiv Freiburg, F 196/1 Nr. 1422
- Online-Gedenkbuch für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
- Klarsfeld, Serge. Le Mémorial de la Déportation des Juifs de France, Paris : FFDJF (Fils et filles des déportés juifs de France), 2012.
Sekundäre Literatur
- Serger, Bernd, „Das Warenhaus Knopf in Karlsruhe. Stammhaus eines Handels-Imperiums“, in: Blick in die Geschichte Nr. 112. Stadt Karlsruhe, Stadtarchiv & Historische Museen, 23. September 2016. URL: https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/stadtarchiv/blick-in-die-geschichte/ausgaben/blick-112/warenhaus-knopf [abgerufen am 11.08.2026]
- „Waren-Haus-Geschichte. Der geraubte Erfolg des jüdischen Knopf-Imperiums“ Sonderausstellung kuratiert von Bernd Serger, Dreiländermuseum, 2016
- Moehring, Gerhard, „Die neue Stadtbibliothek“, in: Unser Lörrach 1993, S.65-80.
- Noe, Hansjörg. „Nun kann ich darüber sprechen...“ Zeitzeugen, Tagebücher und autobiografische Dokumente zum Nationalsozialismus in Lörrach, Lörracher Hefte 22, herausgegeben von Lauble, Andreas und Moehring, Markus, 2015.