Zur Geschichte der Städtepartnerschaft (Jumelage) mit Sens

Den Bewohnern von Lörrach war es durch die grenznahe Lage zu zwei Nachbarländern schon bald nach dem Krieg ein Bedürfnis, persönliche, wirtschaftliche und politische Verbindungen wieder aufleben zu lassen oder neu zu knüpfen. Um die als besonders wichtig angesehene deutsch-französische Versöhnung zu unterstützen, begann man im Jahre 1965 nach einer Partnerstadt in Frankreich Ausschau zu halten. Im Rathaus wurden Kriterien herausgearbeitet, nach denen man eine passende Stadt finden wollte. Die Jumelage sollte vor allem auf einen breiten Boden gestellt, das heißt, nicht nur von Begegnungen offizieller Städtevertreter getragen sein, sondern von möglichst vielen Bürgern, Schulen, Vereinen und Institutionen.

Aus fünf interessierten Städten in Frankreich entschied sich die Lörracher Stadtverwaltung für Sens, da diese Stadt auch diese Ansicht vertrat und vergleichbar war in punkto Größe und Strukturen. Auch die Lage war ideal, nicht zu nah und nicht zu weit entfernt. Bei einem ersten Schnupperbesuch in Sens im November 1965 wurde die Lörracher Delegation überwältigt von der großzügigen und herzlichen Gastfreundschaft, die ihr entgegengebracht wurde. Und beim Gegenbesuch der Senser in Lörrach im Mai 1966 wurde schnell klar, dass es auch den Franzosen hier gefiel und es zu einem Abschluss der Städtepartnerschaft kommen würde. Die französischen Gäste hatten gespürt, dass die Jumelage nicht nur ein Anliegen der offiziellen Seite, sondern vieler Bürger war.

Den förmlichen Beschluss für die Vereinbarung der Städtepartnerschaft mit Sens fasste der Stadtrat am 21. Juli 1966. Die Jumelage-Feier sollte am 10. September 1966 in Sens stattfinden. Dazu wurden etwa 150 Personen delegiert, die einen möglichst breiten Bevölkerungsquerschnitt repräsentieren sollten. Mit einem französischen Sonderzug fuhr man also nach Sens, wo es im dortigen Rathaus zu einer feierlichen Zeremonie zur Unterzeichnung der Urkunden kam. Die beiden Vertreter, die die Urkunde unterzeichneten, waren auf französischer Seite der damalige „MaireMonsieur G. Perrot sowie auf deutscher Seite der Oberbürgermeister Egon Hugenschmidt. Die Unterzeichnung wurde anschließend mit einem festlichen Bankett, am Nachmittag mit der Besichtigung der Stadt und am Abend mit einem Ball gebührend gefeiert.

Am 11. September sollte am Ehrenmal der Stadt Sens eine feierliche Kranzniederlegung stattfinden, wobei der Lörracher Stadtrat Paul Willmann es verstand, in seiner viel beachteten Gedenkansprache die Opfer der Kriegstoten zu würdigen und die Aufgabe der Überlebenden, für Versöhnung und Frieden einzutreten, herauszustellen. Dies war der eigentliche Durchbruch bei ehemaligen französischen Kriegsteilnehmern, die noch teilweise eine Abneigung gegen eine deutsch-französische Versöhnung hatten, ihren inneren Widerstand aufzugeben. Die Partnerschaftsfeier fand natürlich auch noch einmal auf deutschem Boden, in Lörrach, Ende Oktober desselben Jahres statt.

Seither gab es unzählige Begegnungen von Bürgern, Schülern und Lehrern, Vereinen, Vertretern von Unternehmen und Kirchen, aus Politik und Kultur, die aus unserem städtischen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Es gilt nun, die Begeisterung für die Sache immer wieder an die junge Generation weiterzugeben.

Irene Hedrich

Quellen:

Unser Lörrach 1986
Jubiläumsband: Jumelage Sens-Lörrach 1966-1991
Jacques Gyssels

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